Neue Luxusbetten, noch mehr Gäste – Kurier

Neue Luxusbetten, noch mehr GästeTourismusrekord. Das erfolgreichste Volksbegehren richtete sich dennoch gegen ein Tourismusprojekt

Die Selfie-Stick-Dichte ist speziell im ersten Bezirk und rund um das Schloss Schönbrunn beeindruckend – und damit auch die Dichte an Touristen. Im Jahr 2017 kamen mehr als sieben Millionen Gäste in nach Wien, so viele wie niemals zuvor. Die Zahl der Gästenächtigungen erreichte mit 15,51 Millionen einen Rekordwert (Plus 3,7 Prozent). Was aus wirtschaftlicher Sicht aber viel wichtiger ist: Erstmals seit Jahren steigen auch wieder die Umsätze – und dass in etwa doppelt so stark wie die Nächtigungen.„Die Hotelleriepreise haben sich erholt“, sagt Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner. Im  Zeitraum Jänner bis November (aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor) stiegen die Umsätze um sieben Prozent auf 709,5 Millionen Euro.

Über zu wenig Gästebetten kann die Stadt jedenfalls nicht klagen. Im Zeitraum 2003 bis 2016 ist das Bettenangebot laut einer Analyse des Tourismusberaters Prodinger um jährlich 3,56 Prozent gestiegen. Unter anderem zog 2014 das Nobelhotel Park Hyatt in der ehemaligen Länderbank-Zentrale, am Ring eröffneten zuletzt Ritz Carlton und Kempinsky neue Häuser. Die neue Konkurrenz brachte alteingesessene Hoteliers auf die Barrikaden. Sie befürchteten, dass mit der neuen Konkurrenz ein Überangebot in den Markt kommt, das die Zimmerpreise erodieren lässt.

Traditionshaus Sacher

Die Aufregung scheint aber nicht berechtigt gewesen zu sein. Es kamen mehr kauf kräftige Gäste in die Stadt, die sich eine Luxusherberge leisten wollten und konnten. Mittlerweile sind die Experten sogar der Meinung, dass das Luxussegment in der Stadt zuvor zu klein dimensioniert gewesen ist. Das umsatzstärkste Wiener Hotel ist laut Prodinger übrigens das Traditionshaus Sacher. Das 1876 von Eduard Sacher eröffnete Haus bei der Wiener Staatsoper ist nach wie vor im Privatbesitz und hat Persönlichkeiten wie Indira Gandhi, Queen Elizabeth II und John F. Kennedy auf der Gästeliste stehen. Auf den Rängen der umsatzstärksten Häuser der City folgen das Hilton Stadtpark, das Intercontinental, das Grand Hotel und das Hotel Imperial.

Mehr als acht von zehn Hotelbuchungen in Wien kommen wenig überraschend von internationalen Gästen, zeigt die Statistik. Im Nationenranking ganz oben steht Deutschland mit erstmals mehr als drei Millionen Gästen im Jahr 2017. Das entspricht einem Anteil von 20 Prozent an den Gesamtnächtigungen. Nummer zwei sind Gäste aus Österreich (18,2 Prozent), mit einigem Respektabstand folgen die USA (5,8 Prozent).

Norbert Kettner rührt mit seinem Team währenddessen in 20 Ländern die Werbetrommel für einen Wien-Aufenthalt. Dem Wien Tourismus steht2018  ein Marketing-Budget von 15,3 Millionen Euro zur Verfügung. „Damit können wir um rund 500.000 Euro mehr als 2017 in jene 20 Herkunftsmärkte weltweitinvestieren, die voriges Jahr über 80 Prozent der Nächtigungen in Wien erbracht haben“, erläutert Kettner. Zum Vergleich: Das Werbebudget der Österreich Werbung beträgt aktuell 50 Millionen Euro.Nörgler und ProtestantenAll jenen die sich an dieser Stelle gerne aufregen, dass schon jetzt zu viele Touristen in der Stadt sind, lässt Kettner gern wissen, dass Wien gemessen an der Touristen/Einwohner-Quote im europäischen Mittelfeld liegt. Dass die U-Bahn zu den Stoßzeiten wegen der vielen Touristen überfüllt ist, kann Kettner nicht mehr hören: „Das ist Blödsinn. Das hat mit den Touristen gar nichts zu tun.“Die Stadt hat immer mehr Einwohner. Binnen 15 Jahren sind 300.000 Menschen – also in etwa die Einwohnerzahl von Graz – nach Wien gezogen. Im Vergleich zu Kaisers Zeiten ist aber noch Potenzial nach oben. Vor hundert Jahren lebten rund 300.000 Menschen mehr in Wien als heute.

Nicht immer war die Bevölkerung von Tourismusprojekten begeistert. Das erfolgreichste Volksbegehren in Österreich betraf den Bau des Austria Convention Center. Die Initiatoren protestierten gegen „den unnötigen Konferenzplatz“ und argumentierten, dass man statt des Veranstaltungsgebäudes besser Wohnungen bauen sollte, ruft Kettner erst kürzlich beim Kongress der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in Erinnerung. 1,3 Millionen Menschen haben 1982 das Volksbegehren unterschrieben – gebaut wurde das ACV trotzdem. Heute ist es eines der führenden Kongressstandorte Europas.Unter anderem geht einer der Europäische Radiologenkongress mit rund 20.000 Teilnehmern im Wiener ACV über die Bühne – auch in den kommenden fünf Jahren. Eine entsprechende Vertragsverlängerung wurde vergangenen Herbst unterzeichnet.

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